Guttenbergs Sturz

Karl-Theodor zu Guttenberg ist in der Plagiatsaffäre über Doktorarbeit und sich selbst gestürzt. Vehement lehnte Guttenberg einen Rücktritt in den letzten Tagen ab, strotzte der Opposition und nahm die Schützenhilfe der Bundeskanzlerin an. Genützt hat es ihm nichts. Ohne Doktor und ohne Ministeramt scheint die Karriere des 39-jährigen am Boden. Nach Zweiwöchigem streiten, abstreiten und hinhalten, konnte Guttenberg dem Druck nicht mehr standhalten und trat unerwartet am 1. März zurück.

Erste Anzeichen für den Rücktritt des Verteidigungsministers gab es bereits am frühen Vormittag. Bundeskanzlerin Angela Merkel brach ihren Rundgang auf der CeBIT in Hannover überraschend ab und telefonierte für längere Zeit. Um 11.15 Uhr dann der Paukenschlag im Verteidigungsministerium, zu dem die Presse kurzfristig eingeladen wurde.

Guttenberg selbst ließ Zweifel an dem aufkommen, was er verkündete. „Ich war immer bereit zu kämpfen. Aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.“ Sind diese Grenzen nicht längst überschritten worden? Fehler in seiner Doktorarbeit gäbe es gewiss, aber dies als Rücktrittsgrund zu benennen wäre für Herrn zu Guttenberg wohl zu schmerzlich gewesen. Stattdessen stellte er sich die Frage, ob er den Ansprüchen seines Ministeramtes weiterhin gerecht werden könne. Reue und Einsicht sucht man relativ vergeblich beim ehemaligen Verteidigungsminister, es scheint als reagiere er wie ein kleiner Junge, der trotzig sein Spielzeug in die Ecke schmeißt.

Während Seehofer, Merkel & Co sichtlich überrascht für die Öffentlichkeit reagierten, feierte die Opposition den Abgang des Ministers wie den Einzug in das Kanzleramt. Steinmeier, Gysi & Co begrüßen den Rücktritt, aber sie finden auch nach dem Sturz des Ministers reizende Worte, können es auch nach dem Rücktritt nicht lassen. Stellt sich die Frage, mit wem die Opposition demnächst spielen kann und ob sie sich vielleicht sogar wieder der Politik widmen muss. Nun ist von verheerenden Folgen für den Wissenschaftsstandort Deutschland die Rede, eine Rede, die aber wie so oft in der Politik schnell in der Versenkung verschwunden ist, so wie der Sturz des Freiherren schon in wenigen Tagen kaum noch interessieren dürfte.